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Retrospektive 1961 suchen und finden im NO!art-Archiv

DOOM SHOW

mit STANLEY FISHER, SAM GOODMAN,
JEAN-JAQUES LEBEL und BORIS LURIE

March Galerie | 95 East 10th Street | New York | November 1961
TAGGED: EINLADUNG + PLAKAT + ANSICHTEN + STATEMENT FISHER + STATEMENT GOODMAN

EINLADUNG

Die March Galerie zeigt die Untergangsausstellung von November 1961 bis ... ??? | Die Galerie hat einen Protest organisiert sowie Tonbänder, experimentelle Filme und Gespräche vorbereitet, um auf den Wahnsinn eines Atomkrieges aufmerksam zu machen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Jeder auf dieser Welt ist eingeladen, uns dazu seinen Beitrag zu schicken.

PLAKAT

Doom show poster 1961

ANSICHTEN:

Ansicht #1Ansicht #2Ansicht #3
Ansicht #4Ansicht #5Ansicht #6
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STATEMENT VON STANLEY FISHER:

DIE ZEIT IST GEKOMMEN, wenn die Empörung auch die geringste Ängstlichkeit überwunden hat. Zum Teufel mit der Gewohnheit und der Selbstzufriedenheit. Die dummen und erniedrigenden Kräfte der Herrschenden haben sich und alle anderen selbst in eine Sackgasse getrieben. Vergleichsweise lässt das die Nazikrematorien harmlos erscheinen.

DIE REGIERENDEN, eigenwillig in ihrer Dummheit und Verachtung, weigern sich, endlich abzudanken und Ihr verbrecherisches Handeln zuzugeben. Ihr geheiligtes kriminelles Verhalten ist zum Lebensstil geworden bis hinunter zur unmenschlichen Behandlung der Kinder zu Hause und in der Schule, bis zur Verweigerung der sexuellen Freiheit für jene, die alt genug sind, um damit fertig zu werden, ... und der Preis für diese überall verbreitete gesellschaftliche Krankheit ist die geistige Borniertheit, die intellektuelle Heuchelei und Wut gegen die Lebenden und Liebenden. Und jetzt ist es soweit! Die Folgen sind tödlich ...

LEBEN DARF NICHT UNTERDRÜCKT WERDEN, indem man es völlig zerstört. Die Mittel sind da: die Atombombe und all diese Horrorrüstungen! Haben wir uns gegen unsere Existenzbedrohung gewehrt? Haben wir die Brutalisierung von Gefühl und Zuneigung gespürt? Haben wir den Wunsch unterdrückt, diese Abscheulichkeiten nicht aus den Augen zu verlieren? Haben wir resigniert, um Stagnation und Krebsgeschwüre anzuerkennen?

NICHT DOCH: Wahrheiten haben eine Gesellschaft, die sterben will, nie erregt. Denn die Verstümmelung und Verletzung anderer Ist ja nur ein Nervenkitzel. Atombunker werden gebaut, Überlebensausrüstungen geschaffen. Menschen werden gegen die Verletzung des Lebensrechtes und das Recht auf Exzentrizität unempfindlich gemacht.

DIE ATOMBUNKER sind Ofen, in denen unsere Selbstverbrennung endgültig wird, ein Tod ohne Bedeutung, ein Tod ohne Würde, ein einsamer Tod, ein Tod, den wir im gewissen "Sinne" verdient haben.

UND WO SIND KÜNSTLER, die für das Überleben und die Kultur auf die Barrikaden gehen? Warum sind sie nicht aus Ihren Träumen aufgewacht, um der unmittelbaren Bedrohung ihrer Freiheit entgegenzutreten? Die Freiheit, die die wichtigste Voraussetzung für alle Kunst und alle Träume ist.

JA, AUCH all die Künstler fühlenmsich wohl In dem Schleim dieser idiotischen Welt, die die mächtigen Lebensgefühle und Lebensgefahren nicht sehen will. Die March Galerie ist hier und jetzt ein Sammelpunkt für die, diemsich dagegen wehren wollen, ein Brennpunkt für die, die die Wurzel des geplanten Weltuntergangs als Krankheit erkannt haben. Die March Galerie ist eine Zufluchtstätte für all die Künstler, die der allgemeinen Lähmung widerstehen wollen, die etwas sagen wollen, die einen leidenschaftlichen Schrei ausstoßen wollen.

DIE AUSSTELLUNG haben wir Untergang genannt. Sie soll für die da sein, die überleben wollen. Hier ist die Kunst für den Fortbestand des Lebens.

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STATEMENT VON SAM GOODMAN:

"Ich werde den ersten erschießen, der im Notfall versucht,
sich in meinen Atombunker zu flüchten."
(A. Schmuck, Creepsville, NY)

UNTERGANG .............. das Geschäft geht weiter.

Kunst im Dienste des Überlebens? Auf den Geschäftsstraßen führen die Toten die Hoffnungslosen an der Hand. Und was ist, wenn die Bombe niemals losgeht? Was dann? Dann werden wieder harte Gespräche in den Planungsbüros geführt. Will noch jemand einen Cocktail dazu? Atmet tief ein! Was kann einer machen? Ihr traut euch ja nicht. Einer kann Schluss machen! Einer kann auf den Knopf drücken! Maulwürfe sind wir mit Trinkwasser in Dosen. Fünf Liter für sechs Mark. In der Tiefe begraben laufen wir im Kreis herum und verbieten es uns, Luft zu atmen. Passen dazu antike Möbel oder sogar modische Betten? Die Zeit ist begrenzt. Ist die radioaktive Strahlung noch gefährlich? Wo sind die Messgeräte? Hat da jemand einen Witz gerissen? Hahaha ... Warum komponieren die Liedermacher nicht mal einen Song für Atombunker? Oder über radioaktiven Nieselregen? Ist das nicht lustig genug? Kunst als Zeitvertreib? Der Karneval der elitären Cliquen findet in den Museen statt, von ihnen selbst erdacht und veranstaltet. Wir aber sind an Ereignissen interessiert, an den wirklichen, realen Ereignissen. Kunst für alle zu schaffen und nicht für die dicken Bäuche! Immer mit der Ruhe Herr Resnikoff! Sagen sie uns doch mal bitte, warum werden aus Expressionisten denn Impressionisten? Warum dieser Rückschritt? Warum diese Flucht in blasse Seerosen und in diese Rechtwinkligkeiten? Alles ist lustig, keiner winselt, nur ein seichter Abklatsch dessen, was ist. Sie wissen es nicht?! Es gibt für euch keine Probleme, weil ihr nie welchen begegnet seid. Und wir sollen alle mit den Atombunkern sterben. Radioaktive Strahlung ist gut gegen eure Schuppen und euern Haarausfall. Lasst uns fröhlich sein, wo doch das Ende so nahe ist. Matisse wusste die Antwort: Tanzen und lustig sein. Tanzt einen Twist in eurer Hosentasche. Soldaten sind dazu da, um Kriege zu verhindern! Immer! Und alte Soldaten sterben nie. Sie lösen sich nur in Atome auf. Ein Atomkrieg wird alles lösen!Der Mensch muss jetzt seine ganze Macht zur Kenntnis nehmen.

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