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Retrospektive 1962 suchen und finden im NO!art-Archiv

LURIE & GOODMAN SHOW

GALERIE SCHWARZ | Via Gesù 17 | Mailand | 19. September bis 29. Oktober 1962
TAGGED: KATALOG + ANSICHT + WERKE + REZENSION VON MARIO DE MICHELI

KATALOG:

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Katalog mit Texten in italienisch, englisch und französisch, 12 Seiten, 23,2 x 15,9 cm

ANSICHT:

Lurie & Goodman, Galerie Schwarz, Mailand, Ausstellungsansicht 1962

Werke von Boris Lurie in der Ausstellung:

Follies, 1957, olio, 56x49 cm
Beast, 1957, olio, 80x123 cm
Girlie Painting, 1957, olio su tela, 63x112 cm
Million Dollar Baby, 1958, olio e collage, 114x213 cm
Liberty or lice, 1959-60, collage, cm 210x167 cm
Man with Star, 1960, tempera su carta, 58x72
Les Lions, 1959-60, collage, 208x210 cm
Adieu Amérique, 1960, olio su carta, 182x179 cm
Ballad of a Soldier, 1960, collage, 66x103 cm
Oh Mama Liberté, 1960, olio e collage, 208x289 cm
Lumumba is dead, 1961, collage, 198x182 cm
Girlie, 1961, foto e colore, 20x25 cm
No Neutron Bomb, 1961, tempera su carta, 62x72 cm
Beauty Banned in Paris, 1962, collage, 58x84 cm
Strip for Murder, 1962, linoleum, olio e collage, 63x51 cm
Arms and the State, 1962, collage, 183x63 cm
Siren Signals, 1962, collage, 183x122 cm
Well, We Don't Like it, 1962, collage, 91x91 cm

Werke von Sam Goodman in der Ausstellung:

Female Fetish, 1960, assemblage: legno, masonite, plastica, scarpe, ecc., 85x188x30 cm
Male Idol, 1960, assemblage: alluminio, stoffa, metallo, plastica, masonite, 79x178x25 cm
Green Boy, 1961-62, assemblage: plastica con tromba di latta e semi, 30x91x28 cm
Noel, 1961-62, assemblage: molle da letto, bambole, luci, stracci, ecc., 132x41 cm
Icarus, 1961-62, assemblage: figura di corda, tela, guanto e cerotto, 15x30 cm
Self Crucifield, 1961-62, assemblage: legno bruciato, borsellino, molle, specchio, 34x122 cm
Failen Warrior, 1961-62, assemblage: cerotto su rete metallica, 41x183x23 cm
General Chaos, 1961-62, assemblage: base di marmo, ferro, plastica, 51x38x30 cm
Moment of truth, 1961-62, assemblage: plastica, cartone e legno, 39x38x18 cm
Hypnotic, 1961-62, assemblage: scatola, conchiglia, legno, osso e specchio, 37x25x11 cm
The Embrace, 1961-62, assemblage: metallo, legno, cm 34x43x25
Trunk, 1961-62, assemblage: tronco con bambino, ombrello e parafango, 41x74x30 cm
Abortion, 1961-62, assemblage: fagotto di stracci, 38x25x19 cm
The Bed, 1961-62, assemblage: bambola, sfera di metallo, razzo di plastica, 16x29x13 cm
Eye of God, 1961-62, assemblage: bambola, yo-yo, ruote; su cerchio di masonite, diam. 61 cm
Howl, 1961, olio su tela, 274x177 cm

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EINE AMERIKANISCHE REBELLION | LURIE UND GOODMAN IN MAILAND

Rezension von Mario De Micheli

Intellektuelle Gruppen, die gegen die etablierte Gesellschaft rebellieren, werden von Tag zu Tag zahlreicher. Boris Lurie und Sam Goodman beweisen uns mit ihrer derzeitigen Ausstellung in der Galerie Schwarz, dass in der Bildenden Kunst ähnliche Prozesse im Gang sind. In früher gezeigten Arbeiten amerikanischer Künstler waren schon Anzeichen von Rebellion und Widerstand zu erkennen, doch bei Lurie und Goodman ist das ganz anders. Hier ist die Empörung der Kern der Mitteilung, der einzig und alleinige Motor der Inspiration. Für die Kunstgeschichte ist vieles an den rebellischen Erklärungen Goodmans und Luries nicht neu: Allerdings machen sie ihre Aussagen unter völlig anderen gesellschaftlichen Bedingungen, die mit denen in den 20er Jahren nichts zu tun haben. Diese katastrophengeladene Atmosphäre, angereichert mit einer messianischen Gesinnung, ist nicht nur eine Attitüde, sondern das eindeutige Ergebnis von eindeutigen, wirklichen Verhältnissen in unserer Zeit. Obwohl die Einführung von Thomas B. Hess zur Ausstellung den Künstlern eine vage anarchistische Einstellung zuschreibt, habe ich allerdings einen gegenteiligen Eindruck vom Inhalt ihrer Arbeiten: Ein Bild wie "Lumumba ist tot" lässt keinen Zweifel zu. Eine Collage, in der Mitte ein Bild von Lumumba, bedeckt mit einem Hakenkreuz, Zeitungsausschnitte, "Adieu Amérique" verkündend, all das umgeben vom falschen Paradies einer bewusstseinsfremden, ahnungslosen, unbekümmerten Gesellschaft, die sich und alle Probleme in wütenden sexuellen Orgien zu ertränken versucht, ein vulgäres Paradies, aus dem hier und da die Worte "Dezember, ist tot ... Lumumba ..." lesbar herausragen. Andere Bilder sind auf ähnliche Art und Weise komponiert. Und wiederum andere fehlen in dieser Ausstellung, wie Bilder gegen den Rassismus, Bilder für Cuba, Bildern in denen das Wort "Freiheit" unaufhörlich wiederholt wird. Aufgrund dieser ausgestellten Zeugnisse können wir gar nicht glauben, dass die Empörung von Lurie und Goodman nur vage und unklar sein soll. Vom Ästhetischen her verfolgen diese Künstler keine besondere Richtung; sie arbeiten weder abstrakt, ungegenständlich, noch rein abbildend, sondern benutzen alle Möglichkeiten zusammen. Sie benutzen vielmehr alle vergangenen und gegenwärtigen ästhetischen Innovationen, ohne sie weder formal noch stilistisch abzuwerten. Ihr Arbeitsergebnis ist eine vielseitige Zusammenfassung avantgardistischer Strömungen mit besonderem Schwerpunkt auf Dadaismus und Surrealismus. Goodman hat seine Plastikformen vollkommen unter Kontrolle: abgelegte Sachen, weggeworfene und verschmähte Gegenstände, die den Niedergang der Gesellschaft und ihr Ende auf der Müllhalde symbolisieren. Es handelt sich nicht um schöne Gegenstände oder Objekte, sondern es sind brutale Materialien, die trotz ihrer kompositorischen Organisation nichts an Brutalität verlieren und sich auch nicht in ein anderes Bild umformen lassen. Lurie bringt mehr eine bildnerische Sensibilität zum Ausdruck. Seine Haltung ist weniger apokalyptisch als die Goodmans. Diese Arbeiten reflektieren "Seelenzustände", Proteste, Notsignale und sind als solche auch zu betrachten. Sie versuchen, die New Yorker Schule des Abstrakten Expressionismus von innen her zu durchbrechen, sie suchen einen Ausweg, einen Ausgang. Die Arbeiten dokumentieren Brennpunkte einer Ruhelosigkeit, die die Richtung für neue Lösungsmöglichkeiten angeben kann. Es ist schwer zu sagen, wo solch ein Protest enden wird, und zu welchen formalen Schlussfolgerungen Lurie und Goodman nach dieser hemmungslosen Phase der Negation gelangen werden. Vielleicht werden sie auf ähnliche Probleme stoßen, vor denen schon die ersten Mitglieder der europäischen Avantgarde standen, nämlich die Revolte (Empörung) komplexer und sicherer begründen zu müssen, um das Bewusstsein der ersten elementaren Aktionen des Umschwungs beständiger, elementarer und genauer aufrecht zu erhalten. Wenn Lurie und Goodman diesen Punkt erreichen sollten, werden vielleicht neue ästhetische und darstellerische Ausdrucksmöglichkeiten geboren. Dann wird ihnen der Kontrast zwischen ihrer jetzt proklamierten Wahrheit und den jetzt von ihnen benutzten bildnerischen Mitteln bewusst werden.

Mario De Micheli: Critico, storico dell’arte e scrittore, Mario De Micheli è nato a Genova nel 1914. Dopo varie esperienze di studio, filosofiche e letterarie, si stabilisce a Milano nel 1938, inserendosi rapidamente nei fermenti letterari più vivi della metropoli lombarda e allacciando rapporti col circuito delle idee più avanzate nell’ambito internazionale. De Micheli ha inoltre compilato una serie antologica di scritti e di immagini: nel 1951 Leonardo e la natura, nel 1976 Contro il Fascismo, nel 1983 Arturo Martini - La scultura lingua morta e altri scritti. E’ segretario generale della Fondazione Corrente e membro.di merito dell’Accademia Ligustica di Belle Arti, dell’Accademia di Carrara e dell’Accademia di San Luca a Roma. Ha donato a Trezzo sull’Adda, paese di sua madre, la propria biblioteca di oltre trentamila volumi, insieme con settanta disegni, eseguiti dagli artisti tra il 1933 e il 1945, sul tema della Resistenza. Vive a Milano, ritornando di frequente sia in Liguria, in quel di Albisola, che a Trezzo, dove con la moglie Ada è stato nominato cittadino onorario.
see > www.indexartium.com/scrittori/demicheli/scheda.htm

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