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Retrospektive 1999 suchen und finden im NO!art-Archiv

BORIS LURIE

COLLAGEN UND DRUCKGRAPHIKEN 1950 - 1999

Mit einer Lesung von Dietmar Kirves (Berlin) aus dem Buchmanuskript
Boris Lurie: GEDICHTIGTES/GESCHRIEBIGTES

Kurator: Klaus Fabricius

Galerie Dorn | Planckstrasse 123 | Stuttgart | 14. bis 22. August 1999
TAGGED: EINLADUNG + POSTER + PRESSE + BUCH + KOMMENTAR
WERKE IN DER AUSSTELLUNG

EINLADUNG:

Einladungskarte

Die Galerie Dorn besteht seit 1971 und vertritt zahlreiche Künstler der Klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst. Schwerpunkte sind Graphiken des deutschen Expressionismus und der Kreis um Adolf Hölzel, insbesondere Gemälde und Graphiken von Willi Baumeister, Max Ackermann, Ida Kerkovius und Oskar Schlemmer. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Deutschen Informel und der Abstraktion mit Künstlern wie Rolf Cavael, Bernard Schultze, Emil Schumacher, Karl Otto Götz, Fred Thieler, KRH Sonderborg, Thomas Grochowiak oder Lothar Quinte.

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PLAKAT:

lurie show poster, Stuttgart 1999

Anweisung von Boris Lurie für das Plakat zur Ausstellung:

Luries Anweisung zur Plakaterstellung für die Ausstellung
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PRESSENOTIZ | Schmiere? Denkste, Boris Lurie in der Galerie Dorn | in: Stuttgarter Zeitung Nr. 190 vom 19. August 1999 | Ausstellungseröffnung als Performance: Die Veranstalter Eckhard Holzboog und Klaus Fabricius zeigen im Rahmen der Reihe „Art-Act" Collagen, Druckgrafik und den Gedichtband des Künstlers Boris Lurie. Und die Vernissage führt eher den Versuch einer Ausstellung vor, als ein kuratorisches Konzept zur Schau zu stellen. Wo ein extra geladener Kunstexperte die Arbeiten des Künstlers Schmierereien nennt, die jeder fabrizieren könne, gerät die Eröffnung schließlich zum Akt der Sabotage an sich selbst.
Boris Lurie, emigrierter Russlanddeutscher, wanderte nach seiner Befreiung aus dem KZ Buchenwald 1946 nach New York aus, wo er die NO!art-Bewegung mitbegründete: Antikapitalistische, zornige Ablehnungskunst, die sich mit Attacken gegen die Harmonie des American way of life wehrte. Luries Collagen, die seit den späten 50er Jahren entstehen, zeigen Pin-ups, die verführerisch locken. Direkt aus der Illustrierten hat Lurie unzählige Schönheiten auf die Leinwand geklebt. Die rotzig-geleimten Zeitschriftenseiten werden mit Hakenkreuzen übermalt oder mit Fotografien aus Konzentrationslagern kontrastiert.
Diese Arbeiten, die Stoff für eine Debatte über die Möglichkeiten politischer und biografischer Kunst geliefert hätten, sind jedoch nur im ausliegenden Katalog zu sehen, der anlässlich der ersten Lurie-Retrospektive 1995 in Berlin entstand. Er ist ein Kompendium der NO!art-Künstler und ist allein schon den Besuch wert. -val

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WERKE IN DER AUSSTELLUNG:

Boris Lurie, Painting
Boris Lurie, Painting
Boris Lurie, Painting
Boris Lurie, Painting
Boris Lurie, Painting
Boris Lurie, Painting
Boris Lurie, Collage
Boris Lurie, Collage
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BUCHVORSTELLUNG | PROTOTYP

NO!art IN BUCHENWALD: BORIS LURIE: GESCHRIEBIGTES / GEDICHTIGTES

Das Buch kam aufgrund verschiedener Unwägbarkeiten erst drei Jahre später ans Tageslicht.
470 S. | 135 s/w Abb. | 21,5 x 26,5 cm | Eckhart Holzboog Verlag | Stuttgart 2003 | ISBN 3-9807794-0-8
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Buchumschlag
Zusammengestellt von Boris Lurie und Dietmar Kirves anlässlich der Ausstellung "Boris Lurie: Werke 1946-1998" in der Gedenkstätte Weimar-Buchenwald 1998/99, mit allen ausgestellten Werken, Rezensionen, Kommentaren und Buchbeiträgen von seinen Freunden Enrico Baj, Paolo Baratella, Herb Brown, Ronaldo Brunet, Günter Brus, Erro, Klaus Fabricius, Charles Gatewood, Paul Georges, Jochen Gerz, Esther Morgenstern Gilman, Amikam Goldman, Leon Golub, Sam Goodman, Blalla W. Hallmann, Allan Kaprow, Dietmar Kirves, Yayoi Kusama, Konstantin K. Kuzminsky, Jean-Jacques Lebel, Martin Levitt, Suzanne Long, Clayton Patterson, Bernard Rancillac, Francis Salles, Naomi T. Salmon, Michelle Stuart, Aldo Tambellini, Klaus Theuerkauf, Seth Tobocman, Jean Toche, Toyo Tsuchiya, Wolf Vostell, Mathilda Wolf.
Klick auf Künstlernamen führt zum abgebildetem Werk

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KOMMENTAR | 15. August 1999: Es war ein schöner Abend, gestern Abend. Doch, doch. Ich bin zurückgefahren mit dem sicheren Gefühl, mir etwas angeschaut zu haben, dessen Bildsprache meine Frequenz gefunden hat, und dessen Geschichte noch längst nicht zu Ende erzählt ist.

Selbstverständlich hat so ein schwerfälliger, halbblinder Klotz wie ich zunächst wieder einmal gar nichts gesehen, geschweige denn verstanden. ... Die Monströsität der Verletzung von Luries Generation, von Tätern und Opfern, ist nicht nachzuvollziehen. Weder der ungeheuere, mir geradezu unheimliche Wille die Apokalypse zu überleben noch die Fähigkeit weiter mit der Spezies kommunizieren zu wollen (ich gehe davon aus, dass jede Art der Äußerung und wenn nur unbewusst einen Zielpunkt sucht), deren abgrundtiefe Boshaftigkeit gerade erst wieder an die brüchige Leine genommen wurde. Dass die dazu benutzte Sprache, bei aller Verwandtschaft zu unserem eigenen Idiom, wesensmäßig eine fremde ist und sein muss, ist mir erst gestern wirklich bewusst geworden. Mein Anspruch , dass sie (die Sprache) zu mir kommt und sich entschlüsselt, da sie ja was von mir will und meine Kindermentalität, die Welt nicht zum Ich lösen zu können, standen mir gestern Abend für Augenblicke einmal nicht im Weg.

Ich denke auch, dass die Textauswahl für die kurze Lesung vom Berliner für mich eine glückliche war, denn sie schilderte den Anus Mundi ohne Pathos und befreite das oft beschriebene damit von jener Kulissenhaftigkeit, die das didaktische Aufarbeiten von Schmerz und Schuld sonst hat. Die Ungerührtheit der Schilderung hatte aber auch etwas taubes, betäubtes, welches mir die Erinnerung an die verwischte Zwischenwelt einer Ätheranästhesie meiner Kindheit wachrief. (Herrlich. Eine Anästhesie wachrufen. Hallo Koma, der Kaffe ist fertig!)

Lebenskraft wurde von Lurie und allen anderen, die überlebt haben, gezwungenermaßen, in den rote Reservebereich gefahren. In den Bereich ACHTUNG: religiös oder animalisch.

Dass da für unsere Generation nicht mehr soviel übrig blieb, na, das ist eine andere Geschichte. Das Hier und Heute ist auf jeden Fall noch unmittelbare Folge einer Katastrophe, die immer noch niemand begreift und von der niemand weiß, ob sie nicht doch endgültig war! Ist jedenfalls meine Meinung. ...

Gruss Klaus

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