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Retrospektive 2007 suchen und finden im NO!art-Archiv

PLAKART

Kuratorinnen: STEFFI KLODE & VERENA MEIER

INSIDEOUT | Braunschweig | 29. Juni bis 9. Juli 2007
TAGGED: BEITRAG + AUSSTELLUNGSINFO + REZENSION

BEITRAG VON DIETMAR KIRVES


MINDSHOTS | 12 Sek-Spot auf Videoboard 4,5 x 5,8 m | Wiederholung: 400 mal in 24 h
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AUSSTELLUNGSINFO:

EN PASSANT: Grossflächige Kunstwerke an Bahnbrücken, Ausfallstrassen oder vor Bauzäunen reissen graue Großstadtmauern auf, öffnen Fenster, überraschen einen Moment und bieten Ausblicke auf eine Kunst, die im Alltag oft kaum wahrgenommen wird: Plakatkunst, die durch die Kraft ihrer Bilder überzeugt. Fotografien, Grafiken und Graffiti zitieren durch ihre Plakativität die schreiende Sprache der Werbung. Jedoch ihre Message bleibt stumm. Das Fehlen von Slogans lässt Freiräume zur Interpretation. Die Stille lädt den Vorbeieilenden ein zum Weiterdenken, zur Projektion, zur Tagträumerei. Das Konzept spielt bewusst mit dem Bruch zwischen der rauhen Wirklichkeit des Alltags und den traumhaften Spielräumen der Bilderwelten.

OPEN AIR GALERIE: 30 ausgewählte Plakatwände an Braunschweiger Straßen, Baulücken und Bahndämmen, die aufgrund städtebaulicher Erfordernisse oder temporärer Prozesse wie Bauarbeiten wenig Plakart 2007, Katalogattraktiv erscheinen, werden zu Schaufenstern der Kunst. Die bunten Bilderwelten treten in Opposition zur Unwirtlichkeit der Stadt; sie durchbrechen die Tristesse des Stadtraums und schaffen Foren zur öffentlichen Auseinandersetzung mit Kunst.

Überdimensionalität und Wahrnehmung in Bewegung kennzeichnen Produktion und Rezeption von Kunst im öffentlichen Raum. Vom Auto aus wahrgenommen oder en passant betrachtet ist ihr Angebot zugleich barrierelos, unaufdringlich, aber trotzdem von emotionalem Potenzial. Straßenkunst erreicht ungeachtet des Bildungsgrads, des Alters, des Geschlechts oder der Nationalität alle Bevölkerungsschichten. Sie erfreut oder schließt Türen auf für die Auseinandersetzung mit Kreativität: Oft ist Graffiti für Jugendliche der erste Einstieg in die Freie Kunst.

Straßenkunst an öffentlichen Orten bietet eine Lösung für den Umgang mit wildem Plakatieren und Graffitis. Diese Kunst - konstruktiv genutzt - erhöht die Aufenthaltsqualität des Stadtraums, fördert den Dialog über Ästhetik zwischen jung und Alt und reagiert auf das Bedürfnis der Kunst nach öffentlicher Selbstdarstellung. Sie wird zum Aushängeschild der künstlerischen Produktivität und Dynamik einer Stadt, die mit der HBK als bekannteste Kunsthochschule in Niedersachsen und dem Fachbereich Architektur an der Technischen Universität, Vorreiter für Kunst- und Kulturproduktionen in der Metropolregion ist.

INSIDE OUT: Die Aktion INSIDE OUT kehrt das kreative Potenzial, das täglich in Ateliers, Zeichensälen, Design- und Architekturbüros oder auch im Privaten geschaffen wird, nach außen auf die Straße. Die Aktion stellt diese versteckte Kreativität unbürokratisch vor. INSIDE OUT versteht sich als PUSH-Aktion, die sich im Umfeld der Aktivitäten von Braunschweig als Stadt der Wissenschaften 2007 ansiedelt. Sie macht die angewandte, bildschaffende und gestaltende Kunst zum Alltagserlebnis; die Begegnung mit ihr ist niedrigschwellig: Jeder hat die Gelegenheit sich mit ihr unterschiedlich intensiv zu beschäftigen.

Das Projekt hat Vorbilder wie die amerkanischen Initiaven der Billboard Generation oder Aktionen des Künstlers Jim Avignon, der in den 90er Jahren unter anderem mit seinen Crazy posters against boredom, die Kunst aus den Galerien geholt und für die Allgemeinheit interessant gemacht hat.

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REZENSION:

PlakArt - kunstvolles Braunschweig

Vom 29. Juni bis 9. Juli zeigt die Region eine Kunstlandschaft der besonderen „Art"
Von Anna-Lena Bruns
In: Subway, Braunschweig, Juni 2007

„Zehn Studenten der HBK und 22 Künstler aus den Bereichen freie Kunst, Malerei, Skulptur, Grafik, Comic und Lichtkunst werden ihre Arbeiten im urbanen Rahmen präsentieren“, erzählt Ruth Fischer, Mitorganisatorin und Fundraisingmanagerin des PlakArt+- Projektes. Die Idee zum kreativen Openair der Künste entwickelte sich bereits vor zwei Jahren durch die Fotografin Verena Meier und die Grafik-Designerin Steffi Klode. Mit dem Support der Projektmanagerin Sabine Ottemann, Ruth Fischer, der im September 2006 gegründeten Gesellschaft für Kunst und Kultur Insideout e.V. und vielen anderen freien Kulturanhängern wuchs die Idee zu dem heran, was sie heute ist: ein kunstvoller Beweis für Braunschweigs kreatives und kulturelles Potential. „Wir werden die Kunst zum Menschen bringen und der Pop-, Sub- und Offszene durch die große Präsenz im Stadtraum ein Forum des schöpferischen Ausdrucks ermöglichen. Brücken sollen geschlagen und ein Dialog über Sinn, Möglichkeiten und Aussagekraft von Kunst über soziale Unterschiedlichkeiten hinweg angeregt werden“, expliziert die Sprecherin Fischer. Der Passant soll mit vergleichbar suggestiven Mitteln wie denen der Werbung für den Augenblick überrascht und aus dem Alltag entführt werden.

Das Konzept ist dabei ähnlich kreativ wie die Aktion selbst: „Plakart+ ist ein Braunschweiger Projekt und konsequenterweise trägt dem unser kuratorisches Konzept Kern & Stern auch Rechnung“, sagt die erste Vorsitzende Steffi Klode. Da sich die historische Gewachsenheit der Stadt in konzentrischen Kreisen ausgebildet hat und die Ausfahrtstraßen sternförmig in die Region ausstrahlen, liegt eine Analogie zum explosiven Wachstum der Kunst nahe: „Aus der Innenstadt kommend platzieren wir kreisförmig unsere Exponate um das Zentrum bis in die Ringgebiete und nutzen dann einzelne Kunstwände an Ausfahrtsstraßen wie die Hamburgerstraße als Boten.“ Im Stadtkern wird an fußläufigen Orten vor allem subtile, zarte und typografische Kunst zu entdecken sein. Die Kunst der Ringgebiete und Schnellstraßen, die flüchtig aus dem Auto heraus wahrgenommen wird, manifestiert sich in großflächiger Streetart und Plakatkunst mit Leuchtkraft.

Die Kern & Stern-ldee selektiert dabei keineswegs sondern bringt ein weites Spektrum an künstlerischen Aussagen auf die sommerlichen Straßen Braunschweigs. „So kann unser Publikum entscheiden, was ihm gefällt und was nicht - das verstehen wir unter demokratisch und partizipatorisch", erklärt 2. Vorsitzende Verena Meier.

Jeder der Künstler hat dabei einen unmittelbaren Braunschweig-Bezug: Sei es, dass er hier geboren und aufgewachsen ist oder die Stadt als wichtige Etappe seiner künstlerischen Entwicklung empfindet.

Es werden nicht nur Sprühdose und Pinsel geschwungen, sondern durch überregionale Aktivitäten wie Poetry-Slams, Veranstaltungen, Eröffnungsfeier sowie Abschiedsparty ebenfalls Raum für künstlerische Begegnungsforen geschaffen. Die Finanzierung des Projektes durch die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, Stadt Braunschweig und regionale Firmen wird realisiert, „allerdings gibt es noch unendlich viele Dinge, für die uns die Mittel fehlen“, merkt Klode an. Ungünstigerweise können bisher weder Materialaufwand noch Arbeitszeit der Akteure beglichen oder in-situ-Kataloge angefertigt werden. „Deshalb freuen wir uns selbstverständlich immer über Support oder Sponsoring durch Privatpersonen oder Firmen und Unternehmen aus der Region, sei er ideell, finanziell oder als Sachmittelspende“, hebt Meier hervor. Nichtsdestotrotz wird die Präsenz der Plakate in der Stadt wohl auch jene berühren, die sich sonst weniger intensiv mit Kunst beschäftigen und für kurze Zeit der Alltäglichkeit entreißen: denn „das Kunstwerk ist eine imaginäre Insel, die rings von der Wirklichkeit umbrandet ist“ (|osé Gasset).

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©  http://retro.no-art.info/2007/insideout/info-de.html